Die Anfänge der arabischen Musik liegen weit zurück. Die Musikgeschichte ist eng verknüpft mit der politischen Vergangenheit. In manchen Epochen wurde die Musik hochgeschätzt, in anderen verbannt und verdammt.
Wie immer sich auch die Anschauungen im Laufe der Geschichte verändert haben mögen - die Musik war und ist noch heute untrennbar mit dem arabischen Lebens-gefühl verbunden und nimmt eine unentbehrliche Funktion bei vielen gesellschaft-lichen Anlässen ein.
 
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Allgemeines             Die Musikinstrumente           Arabische Rythmen
 
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Allgemeines    
Die arabische Musik entstand in vorislamischer Zeit auf der arabischen Halbinsel. Sie entwickelte sich während der islamischen Ära weiter fort und fand in den Schulen von Mekka, Medina, Bagdad und Cordoba ihre Schwerpunkte. Vom 13. Jahrhundert an entstanden - über die gesamte arabische Welt verstreut - in Algier, Tunis, Kairo, Damaskus, Beirut, Bahrain etc. weitere Zentren der musikalischen Betätigung.
Sowohl das arabische Tonsystem als auch das Europäische kennt 7 Grundtöne. Unser Europäisches System ist aber nur in 12 Halbtöne unterteilt, während das Arabische eine Differenzierung in 24 Vierteltöne erfährt.
Außerdem ist die arabische Musik durch ein Tonsystem gekennzeichnet, das spezifische Intervallstrukturen aufweist. Die besonderen rythmisch - zeitlichen Strukturen führen zu reichhaltigen Mustern.
Etwas ganz Besonderes ist das Maqam-Phänomen, ein einzigartiges Improvisationsverfahren innerhalb der arab. Kunstmusik, das allen improvisierten Vokal- und Instumentalgattungen zugrunde liegt. Das heute gültige arabische Tonsystem umfaßt alle Töne, die in den über 70 Modi, den sogenannten Maqam-Reihen auftreten.
 
Ferner besteht eine Vorliebe für kleine Instrumentalensembles, da Improvisationen im kleinen Besetzungsrahmen eher möglich sind als bei großen Orchestern. Ausnahmen sind die prunkvollen Hoforchester im Iran, Marokko und Ägypten, in denen bis zu hundert Musikern mitgewirkt haben sollen.
 
 

            
Die Musikinstrumente  
 
Saiteninstumente
Die Kurzhalslaute Ud und andere Lauteninstrumente
Bei der Ud handelt es sich um eine bundlose Kurzhalslaute mit halbbirnenförmigem Korpus, die gezupft wird. Die Ud darf als Repräsetantin der Musikkultur der Araber schlechthin betrachtet werden. An ihr wurde und wird noch heute die Musiktheorie, insbesondere das arabische Tonsystem, erläutert. Sie gilt als Grundlage der arabischen Kunstmusik in Konzert, Rundfunk und im häuslichen Bereich. Nicht ohne Grund bezeichen die Araber die UD als "Sultan unter den Musikinstrumenten". Auf ihr musizieren Männer wie Frauen. Der weiche und sanfte Klang der Ud fasziniert den Zuhörer und der Ton wird zuweilen mit der Stimme der Nachtigall verglichen. Die UD ist in Nordafrika und im Vorderen Orient etwa so weit verbreitet wie in Europa das Klavier.
Schon im Mittelalter fand die UD durch zurückkehrende Kreuzfahrer sowie auf dem Weg über Spanien im Westen und Byzanz im Osten ihren Weg nach Europa.
 
Die Namen, die dem Instrument in verschiedenen europäischen Sprachen gegeben wurden - "Laute", "alaude", "luth" etc. lassen sich alle aus dem arabischen Wort al-ud ableiten.
 
Die Ud wird mit dem "risa" genannten Plektrum, dem Kiel einer Adlerfeder, den der Ud-Spieler zwischen Daumen und Zeigefinger hält, gezupft. Der Spieler hört gelegentlich auf, mit der Feder in der rechten Hand zu zupfen, greift stattdessen mit dem Zeigefinger der Linken eine Saite ab und schlägt sie zugleich mit dem Mittel-, dem Ring- und dem kleinen Finger derselben Hand. Es ensteht ein echohafter Effekt. Diese Technik ist insbesondere in Ägypten sehr beliebt und wird dort als "basm" bezeichnet.
 
Interpretation im Tanz:
Die Ud verkörpert die glückliche, föhliche Liebe und Unbeschwertheit. Im Gegensatz dazu steht die Geige, die die sehnsüchtige, schmerzende Liebe ausdrückt.
 
Die Kastenzither Qanun
Der Korpus der Qanun hat die Form eines Halbtrapezes. Die Zahl der Saiten schwankt zwischen 63 und 84. In der Regel werden 72 Saiten aus Darm oder Nylon aufgespannt, die dreichörig angeordnet und eingestimmt sind, d.h. jeweils drei benachbarte Saiten erzeugen denselben Ton. Das Instrument verfügt damit bei 72 Saiten über insgesamt 24 Töne.
Der halbtrapezförmige Kasten ist mit einer Holzdecke versehen, die jedoch den Korpus nicht vollständig abdeckt, sondern zur rechten des Musikers über die ganze Breite des Instruments eine Fläche ausspart.
Gezupft wird mit Schildpatt-Plektren, die an Ringen befestigt, auf dem rechten und dem linken Zeigefinger aufgesteckt werden. Beim Spielen liegt das Instument auf dem Schoß des Musikers.
Der Quanun ist seit dem 10. Jahrhundert unter diesem Namen in altarabischen Quellen nachweisbar. Mit ihm musizieren in erster Linie Männer; Qanun-Spielerinnen begegnet man sehr selten. Wie bei der UD besteht auch das Solorepertoire der Quanun in erster Linie aus taqsim-Stücken und es dient wie die UD zur Begleitung des Gesanges.
 
                                                                
Interpretation im Tanz:
virtuos, kontolliert;
bei tiefen Tönen weite Bewegungen,
bei hohen Tönen kleine Bewegungen.
Meist mit Shimmyüberlagerung. 

 
Blasinstrumente
Die Längsflöte Nai
Bei der Nai handelt es sich um eine an beiden Seiten offene Längsflöte aus Bambus- oder Schilfrohr. Sie wird in verschiedenen Größen gebaut.
Der Musiker bläst gegen den Rand der Rohröffnung. In der arabischen Welt hat die offene Längsflöte, die auch Bestandtteil vieler anderer Musikkulturen ist, einen besonderen Grad an Verfeinerung in Bezug auf Spieltechnik und Klang erfahren.
Die Nai besitzt in der Regel ein rückständiges und sechs vorderständige Grifflöcher. Der Grundton einer Nai hängt von der Länge des Flötenrohres ab.
Die Nai-Spieler haben nicht selten mehrere verschieden große náiát (Plural von Nái) bei sich, um während einer Aufführung in unterschiedlichen Maqam-Reihen stehende Stücke ohne Mühe ausführen zu können.
Solistisch werden auf der Nai in erster Linie taqásim vorgetragen. Die Nai wird fast ausschließlich von Männern gespielt.
                                                           
Interpretation im Tanz:
spirituell, zum Himmel strebend, Einsatz der Arme wie Bambusrohr, am Platz stehend; keine Schrittfolgen.
 
Schlaginstrumente
Die Schellentrommel Riqq
Das Riqq ist eine einfellige Rahmentrommel mit einem Durchmesser von etwa 20 cm. Der Rahmen trägt 10 Schellenpaare. Die Schellen sind in "Schellenfenstern" angebracht, die in symetrischer Anordnung aus der Zarge herausgeschnitten wurden. Jeweils zwei Schellenpaare ruhen in zwei Öffnungen übereinander. Das Riqq wird in der linken Hand so von dem Daumen und den übrigen Fingern gehalten, dass die übrigen Finger zugleich am Zargenrand schlagen können. Die rechte Hand agiert sowohl in der Mitte als auch am Rand der Membran. Diesen beiden Schlagpositionen entsprechen ein hellerer (tak) und ein dunklerer (dum) Trommelschlag. Der Rahmen des Riqq ist meistens mit verschiedenfarbigen Mosaik-Plättchen aus Perlmutt, Knochen, Horn oder Holz besetzt. Ein kostbares Instrument - eines also, das ein Berufsmusiker vorzugsweise benutzt - ist mit Fischhaut bespannt, während ein gewöhnliches Riqq lediglich über eine Ziegenhautmembran verfügt.
Riqq-Spieler musizieren in den traditionellen taht-Ensembles. Sie übernehmen dort eine für die Aufführung arabischer Kunstmusik unentbehrliche Funktion, da sie die begleitenden rythmischen Formeln exakt ausführen müssen.
Die einfellige Rahmentrommel begegnet uns in den arabischen Ländern noch in drei weiteren Typen, die sich vom Riqq in Größe, Herstellungsweise, Spieltechnik und Verwendungsform unterscheiden. Das sind die Trommeln Daff (Duff), Mazahr und Bendír.
 
Duff/ Daff oder Mizhar
Daff bzw. Mizhar sind ebenfalls genau wie der Riqq Schellentrommeln. Das Instrument besitzt allerdings einen größeren Durchmesser (ca. 30 cm) und eine niedrigere Zargenhöhe. Zuweilen wird es  zum Erzielen tremoloartiger Effekte geschüttelt und machmal auch gegen den Körper geschlagen. Der Daff wird vor allem in den orientalischen Kabaretts zur Begleitung von Tänzerinnen eingesetzt.
 
Einsatz im Tanz:
Oftmals begleitet sich die Tänzerin mit diesem Instrument auch selbst und unterstreicht ihre Bewegungen durch leichtes Schlagen des Daff auf Hüfte, Schulter etc. (Tambourintanz). Der Daff - unser Tambourin - ist ein uraltes Instrument, auf dem sich bereits die Tänzerinnen im alten Ägypten begleitet haben.
 
Die Rahmentrommel Mazhar
Dei der mazhar (Mizhar) handelt es sich um eine Rahmentrommel ohne Schellen mit einem Durchmesser von ca. 60 cm. Die etwa 6 cm hohe Zarge trägt keine Mosaikauflagen, ist innen dafür aber mit kleinen Eisenringketten behängt. Die Verwendung ist rituellen Anlässen vorbehalten, denn dieses Instrument ist einem Heiligen geweiht. Der Mazhar wird bei den Dikr-Zeremonien einiger Sufi-Sekten und bei anderen religiösen Anlässen wie Begräbnissfeiern und Heilungszeremonien geschlagen. Man spielt das Instrument auch in der Moschee.
 
Die Rahmentrommel Bendir
Als Bendir (Bandir) wird eine einfellige Rahmentrommel von etwa 40 cm Durchmesser bezeichnet. In der etwa 10 cm hohen Zarge befindet sich eine Öffnung, in die der Daumen der linken, das Instrument haltenden, Hand gesteckt wird.
Direkt unterhalb der Trommelmembran verlaufen zwei Schnarrsaiten. Das Bendir wird wie das Mazahr geschlagen und ist wie dieses dem Bereich der religiösen Musik zuzuordnen.
 
 
Die Bechertrommel Darabuka/Tabla
Eine einfellige Trommel in Form eines Kelches ist in der arabischen Musik unter der bezeichnung Darabukka (Nordafrika) oder Tabla (Ägypten) bekannt.
Spielt der Musiker im Stehen, so hält er die Trommel unter dem Arm. Während er sitzt, liegt das Instrument auf seinem Oberschenkel. Die Membran wird mit beiden Händen geschlagen. Die dunklen Hauptschläge (dum) werden wie bei den Rahmentrommeln in der Mitte, die hellen Nebenschläge (tak) mehr am Rand erzeugt. Meist ist der Korpus aus Ton, neuerdings finden auch Instumente aus Messing oder Metall Verwendung.
 
Bei der Tabla handelt es sich um ein sehr populäres Instument, das auf keinem Fest fehlen darf. Sie ist sowohl ein Instrument der Volks- als auch der Kunstmusik. Sie wird von Frauen und Männern gespielt.
 
 
                              Bild: Ibrahim Abu Hassan und Vaschra auf der Gala Oriental 2005
 
 
 
 
Zimbeln/ Ságát
Die Zimbeln sind eine Art kupferner Kastagnetten, die Tänzerinnen und Tänzer bei Auftritten spielen. Eine Tänzerin kann sich auch ausschließlich mit Zimbeln als Soloinstrument zu ihrem Tanz begleiten. Bei dem arabischen Tanz wird das Zimbelspiel meistens von Pausen unterbrochen, wogegen die Tänzerin im türkischen Tanz meist mit einfachen Zimbelmustern ununterbrochen durchzimbelt. Beim Bodentanz oder im Trommelsolo werden Zimbeln nicht eingesetzt. Sie finden überwiegend im Raks al Baladi (Tanz des Volkes) Verwendung. Die Zimbeln werden mit einem Gummiband auf Daumen und Mittelfinger beider Hände befestigt. Um hier einen guten Sitz zu erreichen sind sogenannte Langlochzimbeln zu bevorzugen. Je nach verwendetem Metall und Gußform wird ein unterschiedlicher Klang erzielt. Eine geübte Tänzerin ist jedoch auch in der Lage durch verschiedene Schlagtechniken unterschiedliche Klangqualitäten zu erreichen.
 
 
 
 

            
Arabische Rythmen